Buchrezension "Vegan Klischee ade" (Niko Rittenau)

Aktualisiert: 27. Juni 2019


​​Die wichtigsten und aktuellsten Fragen zu veganer Ernährung – wissenschaftlich fundiert beantwortet in einem Werk ...

oder ...

„das Buch, das ich selbst gerne geschrieben hätte“.


Der Ernährungsberater Niko Rittenau greift in seinem 455 Seiten starken Buch „Vegan Klischee ade!“ gängige Klischees und Vorurteile rund um die vegane Ernährung auf und kontert diesen mit fundiertem Fachwissen.

Wissenschaftlich fundiert - ein Exkurs

Das lässt das Ernährungswissenschafter-Herz höher schlagen!

Gerade pflanzenbasierte Ernährungsweisen schüren immer wieder Kontroversen und Diskussionen über ihre Durchführbarkeit, gesundheitliche Vorteile oder mögliche Risiken. Befürworter und Kritiker gleichermaßen bringen reihenweise Studien (oder „Studien“) auf den Tisch, die endgültige Argumente für oder gegen eine vegane Ernährungsweise aufzeigen wollen.

Viel zu häufig lässt jedoch das Design dieser Studien und somit deren Glaubhaftigkeit zu wünschen übrig, was die Medien trotz allem meist nicht davon abhält deren Ergebnisse zu präsentieren und somit Verwirrung beim Verbraucher zu stiften.

Umso wichtiger ist es daher, Fachleute (ErnährungswissenschafterInnen, DiätologInnen, ÄrztInnen) dazu zu motivieren, wissenschaftliche Literatur kritisch zu studieren und die Informationen entsprechend weiterzugeben.

Genau das hat Niko Rittenau in seinem aktuellen Buch getan: Durchforstung aktueller Studien und Fachliteratur, um den derzeitigen Stand der Wissenschaft zu wichtigen Fragen, Kontroversen und auch möglichen Fehlinformationen im Rahmen einer veganen Ernährung aufzuzeigen. (Stand 2018)


Zum Buch "Vegan Klischee ade"

455 Seiten, Hardcover, Farbdruck

Autor: Niko Rittenau

2. Auflage, Ventil Verlag 2018

Das Werk selbst gliedert sich in folgende Großkapitel:

  • Vorwort & was Ernährungsgesellschaften über vegane Ernährung sagen

  • Optimal versorgt mit veganer Ernährung (Stellungnahme zu potenziell kritischen Nährstoffen)

  • Die fünf wichtigsten Lebensmittelgruppen der veganen Ernährung

  • Die Sojakontroverse

  • Anhang (Literatur)

Der Großteil der globalen Fachgesellschaften sprechen sich dafür aus, dass eine gut geplante pflanzliche Ernährungsweise in jeder Phase des Lebenszyklus durchführbar ist (u.a. Academy of Nutrition and Dietetics (1), British Dietetic Association (2), Australian Dietary Guidelines (3), Canadian Paediatric Society (4)). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hingegen weist auf potenziell kritische Nährstoffe hin und betont die Notwendigkeit einer Supplementierung von Vitamin B12 (5).


Niko Rittenau geht auf eben diese Nährstoffe im ersten Großkapitel seines Buches ein, erklärt ihre Funktionen im Körper, sowie deren Bedarf, und zeigt auf, mit welchen pflanzlichen Lebensmitteln sich diese Nährstoffe ausreichend decken lassen. Die Kapitel sind mit schönen übersichtlichen Grafiken gespickt, so findet man sich auf den ersten Blick zurecht und kann das Buch auch sehr gut als Nachschlagewerk nutzen.

Wie erwartet zeigt sich, dass die mögliche unzureichende Aufnahme einiger Nährstoffe kein rein veganes Thema ist, sondern dass auch Menschen mit anderen Ernährungsformen davon betroffen sein können.

Besonders hervorzuheben sind die detaillierten Beschreibungen zu Nahrungsergänzungen, denn auch hier besteht noch großer Aufklärungsbedarf. Beispielsweise wird erklärt, warum es bei der Vitamin B12-Einnahme zu so hohen Supplementierungsdosen kommen kann oder wie man sich, mithilfe einfacher Formeln, leicht und schnell selbst den Bedarf an Vitamin D ausrechnen kann. Auch auf das Risiko der Überdosierung einiger Nährstoffe wird hingewiesen.

Im zweiten Großkapitel werden die fünf wichtigsten Lebensmittelgruppen der veganen Ernährungerläutert. Niko nimmt Bezug auf aktuelle Fragen, wie beispielsweise die Notwendigkeit von Kohlehydraten, potenzielle antinutritive Inhaltsstoffe in Hülsenfrüchten oder ob es nun vernünftiger ist, Obst als Smoothie, Saft oder im Ganzen zu verzehren. Damit nicht auf jedes Böhnchen ein Tönchen folgt, gibt es außerdem ein paar Tipps zur richtigen Zubereitung von Hülsenfrüchten, aber auch zur Verarbeitung von Kreuzblütlern.

Mein persönliches Herzenskapitel ist jenes über Nüsse und Samen, denn die kleinen Kerne sind in unserer „low fat“-getriebenen Gesellschaft aufgrund ihres Fettgehaltes stark in Verruf geraten, obwohl sie lebensnotwendige Nährstoffe beinhalten und täglich auf dem Speiseplan stehen sollten.

Last but not least darf natürlich auch ein ausführliches Kapitel über Soja nicht fehlen. Die nährstoffreiche Bohne aus Fernost steht immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik, sei es nun aufgrund von Gentechnik im Anbau, hormonähnlichen Inhaltsstoffen oder dem potenziellen Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion.

Hier ist evidenzbasierte Aufklärungsarbeit umso wichtiger, denn – trotz aller Studien – halten sich besonders die Klischees rund um die Sojabohne sehr hartnäckig.


Zusammengefasst

Zunächst möchte ich Niko Rittenau vielmals dafür danken, dass ich sein Buch lesen und rezensieren durfte. Danke!


Ob ErnährungsberaterIn, Arzt/Ärztin oder Laie – in diesem Buch ist für jeden etwas dabei. Niko setzt die notwendigen Fachbegriffe in klarem Ausmaß ein, erläutert diese aber auch ausreichend, sodass das Buch trotzdem allgemein verständlich bleibt. Platzhalter und Lückenfüller sucht man hier vergebens, denn das Werk ist von der ersten bis zur letzten Seite interessant, informativ und kurzweilig zu lesen. Man sieht, dass der Autor sein Handwerk versteht, sich hinreichend durch Fachliteratur gearbeitet hat und die Informationen auf neutraler und sachlicher Basis erläutert. Letzteres erachte ich selbst als besonders wichtig, denn persönliche Meinungen zu diesem Thema gibt es zuhauf.

Um zu informieren statt zu missionieren, ist es notwendig, entsprechende Kompetenz mit neutralem Ton zu vermitteln – das ist Niko Rittenau in diesem Buch gelungen.


Mein Fazit:

Als Ernährungswissenschafterin und vegane Ernährungsberaterin weiß ich, wie viel Herzblut und Arbeit in solch einem gebündelten Paket an Informationen steckt. Das Durchforsten hunderter Studien, deren Beurteilung und Bewertung nach Aussagekraft, sowie das Zusammentragen der Informationen erfordert lange und harte Arbeit. Durch seine Arbeit nimmt Niko Rittenau uns übrigen ErnährungswissenschafterInnen und BeraterInnen einen Teil davon ab.

Für mich persönlich war, aus beruflichen Gründen, Vieles bereits bekannt. Umso schöner ist es aber, wenn man mit KollegInnen auf einem gemeinsamen Nenner steht, was die Durchforstung der Literatur betrifft.

Trotzdem waren auch für mich ausreichend hilfreiche Infos und Ergänzungen enthalten, die ich auch selbst gerne in meine Beratungen und Vorträge einbaue. Danke!


Hervorzuheben sind v.a.

  • die klare, evidenzbasierte Informationsweitergabe

  • ausreichende hilfreiche Tipps für praktische Umsetzungsmöglichkeiten

  • ein guter Schreibstil und angenehmer Lesefluss

  • die Eignung als hervorragendes Nachschlagewerk

  • die Abdeckung einer breiten Leserschaft (von ErnährungswissenschafterIn über Ärztin/Arzt bis Laie)

Von mir eine klare Kaufempfehlung, die im Bücherregal nicht fehlen sollte, wenn man sich für vegane Ernährung interessiert! Trotz des Titels (oder eben genau deshalb) bin ich jedoch auch der Meinung, dass das Buch ebenso für ernährungsinteressierte Nicht-Veganer sehr informativ sein kann. Besonders Kritikern sei empfohlen, hier einen Blick hinein zu werfen, denn in diesem Buch wird so einiges an Aufklärungsarbeit geleistet!

Zum Autor


Niko Rittenau ist geborener Österreicher und Wahlberliner. Der gelernte Touristikkaufmann hat seine Kompetenzen im Rahmen des Studiums der Ernährungsberatung vertieft und studiert aktuell im weiterführenden Masterstudiengang. Er hält laufend Vorträge und Seminare mit unterschiedlichen Schwerpunkten und ist außerdem Dozent und Mitbegründer des Plant Based Institute in Berlin.

Zur Website von Niko Rittenau


Das Buch erwerben: *


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Referenzen

(1) Journal oft the Academy of Nutrition and Dietetics, Dec. 2016, Vol116,No12

(2) https://www.bda.uk.com/news/view?id=179, Stand 05.02.2018, 13:00

(3) Australian Dietary Guidelines (2013)

(4) Canadian Paediatric Society (2010/2014)

(5) Richter et al for the German Nutrition Society (DGE) (2016) Vegan diet. Position of the German Nutrition Society (DGE). ErnährungsUmschau 63 (04): 92–102


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