Tel. +43 681/844 77 994

Copyright  2020 by Cornelia Führer. All rights reserved.

 

Soja & Co: Wissenswertes über Pflanzendrinks



Bis vor einigen Jahren waren sie noch als rare Geschöpfe in den Gefielden der Bio-Supermärkte zu erspähen, jetzt gibt es sie bereits von vielen Marken, in vielen Geschmacksrichtungen und Ausführungen: Pflanzendrinks. Sojadrinks in all ihren Variationen sind altbekannt, nun haben sich auch Hafer-, Dinkel-, Haselnuss-, Mandel-, Hanf-, Reisdrinks etc. zu ihr gesellt.

Doch was steckt genau hinter den pflanzlichen Alternativen, wie sind sie aus ernährungsphysiologischer Sicht zu bewerten und was gibt es zu beachten?

Das Kreuz mit der MILCH – die harte NUSS der Namensgebung

Die Bezeichnung „Milch“ ist gesetzlich geschützt und als das „durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnene Erzeugnis der normalen Eutersekretion“ definiert.

Auch, wenn sie umgangssprachlich oft als solche bezeichnet werden, dürfen pflanzliche Alternativen den Namen „Milch“ nicht tragen und auch nicht als solche beworben werden. Die einzige Ausnahme stellt die Kokosmilch dar. Kokosmilch ist jedoch nicht gleich Kokosdrink – während Kokosmilch (z.B. aus der Dose) aus Kokosnussextrakt (Kokosnussfruchtfleisch), verdünnt mit etwas Wasser, besteht und einen relativ hohen Fettanteil aufweist, besteht der Kokosdrink zum Großteil aus Wasser, mit nur etwa 10% Kokosnussanteil, und ist wesentlich fettärmer.

Jegliche anderen pflanzlichen Milchalternativen werden als „Drinks“ bezeichnet.

Ernährungsphysiologische Betrachtung: Milchalternative ja oder nein?

Alle herkömmlichen tierischen Milchprodukte – seien diese nun aus Kuh-, Schafs- oder Ziegenmilch hergestellt – enthalten tierisches Eiweiß, weswegen sie der täglichen Proteinbilanz zugerechnet werden können. Bei Pflanzendrinks ist die Sache nicht ganz so einfach - einige von ihnen enthalten Eiweiß, andere nicht.

Der Sojadrink weist den höchsten Eiweißanteil unter den Alternativdrinks auf, gefolgt von jenen auf Nussbasis (Mandelmilch, Haselnussmilch, Cashewmilch, Kokosmilch). Nüsse enthalten ebenfalls pflanzliches Eiweiß, daher ist es auch Bestandteil der Drinks, die aus ihnen hergestellt werden. Sojadrinks kommen in ihrer Zusammensetzung der Kuhmilch am nächsten und sind genauso vielfältig einsetzbar (auch als Eiersatz).

Jene Drinks, die aus Getreide gewonnen werden (Reismilch, Hafermilch, Dinkelmilch, etc.) enthalten einen verschwindend geringen Eiweißanteil und bestehen hauptsächlich aus Kohlehydraten und Wasser. Sie können nicht zu den Milchersatzprodukten im Sinne der Eiweißquelle gezählt werden.

Kuhmilch dient v.a. als Quelle für Calcium, Jod, Vitamin B12 und Vitamin B2. Wer auf Kuhmilchprodukte verzichtet, ist gut beraten sich näher mit seiner Ernährung auseinanderzusetzen, um keinen Mangel an Nährstoffen zu riskieren.

Calcium findet sich auch in Mohn, Sesam, Haselnüssen, Brokkoli und Spinat. Jod ist v.a. Bestandteil von Algen, Fisch, Eiern und als Zusatz im Speisesalz vorhanden. Vitamin B12 findet sich auch in vergorenen Lebensmitteln, wie beispielsweise Sauerkraut. Vitamin B2 hingegen ist Bestandteil von Vollkornprodukten.

Viele Pflanzendrinks werden daher mit diversen Vitaminen und Mineralstoffen angereichert.

Im Fettgehalt sind Nussdrinks vorne dabei, wobei es sich um pflanzliche, hauptsächlich ungesättigte Fettsäuren handelt, gefolgt von Sojadrinks (geringerer Fettgehalt als Kuhmilch), Reis- und Getreidedrinks sind sehr fettarm. Natürlich hängt der Fettgehalt einerseits von der Art der Nuss ab (Haselnuss, Mandel, Cashew etc.), aber auch von der Marke, die den Drink produziert. Eine klare Linie ist hier nicht zu erkennen, jedoch stimmen o.g. Tendenzen.

Zucker und Zusätze

Ein ungeschultes Auge kann bei der großen Vielfalt an Angeboten leicht den Überblick verlieren: zwischen Drink „natur“, „natürlich ohne Zuckerzusatz“, „bio“, „light“, „mit Calcium“, Vanille, Schoko etc. kann man schon leicht ins Schleudern kommen.

Es ist von Vorteil, sich etwas Zeit zu nehmen und sich die Zutatenlisten der Produkte anzusehen. Oft versteckt sich hinter vermeintlich „wertvollen“ Zusätzen, wie beispielsweise Calcium, zugesetzter Zucker (Anm.: Bei näherer Betrachtung einer Marke, enthielten die Drinks „natur“ und „mit Calcium“ genau den gleichen Calcium-Anteil, jedoch war jener „mit Calcium“ zusätzlich gesüßt, was man auch stark schmeckt. S.a. Tabelle unten.)

Wichtig ist es also, darauf zu achten, dass keine zusätzlichen Süßungsmittel hinzugefügt wurden, was sich leicht an der Zutatenliste ablesen lässt. Diese verstecken sich beispielsweise hinter Bezeichnungen wie (Rohr-)Zucker, Fruktose-Glukose-Sirup, Tapiokasirup, Agavendicksaft etc.

Auch bei Vanille- und Schokodrinks ist dies meist der Fall (wenn auch nicht immer), daher sind diese eher den Süßprodukten und Nachspeisen zuzuordnen (Bsp. Sojadrink Vanille oder Kakao).

Der Drink soll enthalten, was er verspricht: Soja (bei Sojadrinks), Reis (bei Reisdrinks), Mandeln (bei Mandeldrinks) etc., dazu Wasser, Salz, ev. Emulgatoren/Stabilisatoren/Verdickungsmittel (um eine schöne Konsistenz zu erhalten) und manchmal etwas Öl – das war’s meistens. Oft werden auch Vitamine (z.B. B-Vitamine, Vitamin D) oder Calcium zugesetzt.

Eine Hilfe bietet die Phrase „ohne Zuckerzusatz“ – diese lässt erkennen, dass nicht zusätzlich gesüßt wurde. Viele Drinks enthalten aber „von Natur aus Zucker“, was bei einer Getreidebasis, wie Hafer, Dinkel, Reis etc., ganz normal ist.

Wann sind vegane Drinks sinnvoll?

Diese pflanzlichen Alternativen eignen sich besonders für jene Personen, die aus gesundheitlichen, ethnischen oder umweltbezogenen Gründen auf tierische Milch verzichten wollen. Wer der Kuhmilch am nächsten kommen will, ist mit Sojamilch gut beraten. Getreidedrinks eignen sich aufgrund ihres Proteinmangels besonders für Menschen, die einer proteinarmen Diät folgen müssen. Reisdrinks sind am allergenärmsten und daher für Allergiker besonders geeignet, noch dazu sind sie glutenfrei und somit geeignet für Menschen mit Zöliakie.

Nussdrinks zeichnen sich durch einen vergleichsweise höheren Fettgehalt aus, wobei es sich hauptsächlich um ungesättigte Fettsäuren handelt. Diese können dabei unterstützen das LDL-Cholesterin im Blut zu senken, gelten als entzündungshemmend und als Fänger freier Radikale. Reisdrinks hingegen sind sehr fettarm, sie alle enthalten kein Cholesterin (im Gegensatz zur Kuhmilch).

Allergien und Unverträglichkeiten

Sojadrinks & Co bieten eine gute Alternative zum Kochen, Backen, im Kaffee und zu Müslis bei Kuhmilchallergie, jedoch können auch sie selbst Allergien auslösen: wer empfindlich oder allergisch auf Soja reagiert, sollte natürlich auch Sojadrinks meiden. Ist eine Nussallergie vorhanden, gilt Selbiges auch für die Nussdrinks. Reismilch enthält keine Allergene und wird normalerweise auch von allen Allergikern gut vertragen.

Auch Menschen mit Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) können auf die pflanzlichen Alternativen zurückgreifen.

Bei Allergien auf Baumpollen (Birke, Hasel, Erle, Buche), sowie Gräser- und Getreidepollen, können Kreuzreaktionen mit Soja und Nüssen auftreten, es muss aber nicht sein. In diesem Fall ist es ratsam individuell, in kleinen Mengen, auszuprobieren was und wie viel vertragen wird. Hier muss jeder Einzelfall individuell näher beleuchtet werden.

Um die Zusammensetzung im direkten Vergleich einiger Produkte zu veranschaulichen, findet Ihr im Folgenden eine Tabelle mit Produkten zweier großer Hersteller von Pflanzendrinks:

Download Tabelle Pflanzendrinks im Vergleich

Anwendung: "smart" kombiniert

In ihrer Anwendung sind den pflanzlichen Drinks keine Grenzen gesetzt, ob im Kaffee, zum Müsli, in der Suppe oder zum Backen - sie schmecken überall. Sojamilch kann, aufgrund ihrer Zusammensetzung, anstelle von Kuhmilch genutzt werden. Sie und die Nussdrinks weisen eine etwas "dickere" Konsistenz auf als beispielsweise Reismilch, diese ist sehr dünnflüssig.

Beim Backen müssen daher eventuell die Mengen in der Zutatenliste etwas angepasst werden, damit die Konsistenz des Teiges stimmt. Besonders hier kann man aber mit verschiedenen Drinks (wie z.B. Kokos und diversen Nussvarianten) gute geschmackliche Akzente setzen.

Für das Müsli gilt das ebenso. Hier ist es ratsam gut zu kombinieren, um einem Nährstoffmangel vorzubeugen: beispielsweise Haferflocken anstatt mit Hafermilch mit Cashewmilch essen, dazu Mandeln, etc.

Wer sein Müsli gerne kocht, hat bei Verwendung der proteinarmen Drinks den Vorteil, dass nichts "ausflockt", wie es bei Kuh- oder Sojamilch der Fall ist, wenn man beispielsweise Südfrüchte, wie Kiwis, hinzufügt.

In jedem Fall viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren ;-)!

* vgl. auch „Pflanzliche Milchalternativen“ (Foterek Kristina), Ernährungsumschau Juli 2016, M414-M420 (Wiesbaden)

* www.joya.info (18.05.2017)

* www.alpro.com (18.05.2017)